Die unendliche Tiefe im kleinen Hut des Zauberers

Erst war da nur ein Mensch. Um ihn herum ein Würfel von Möglichkeiten, der wachsen konnte wie er wollte. Doch mehrere Menschen werden zu einer Gemeinschaft mit unterschiedlichen Wünschen und Stärken. Sie versuchen Rahmen aufzustellen, so dass alle den gleichen Raum an Möglichkeiten haben. Doch aus Regeln, die den Einen schützen, entstehen Schranken für den anderen. Und mit der Zeit wird alles komplexer. Alles verengt sich in ein System aus vorgeschriebene Wege und Vorgaben. Winzige Räume entstehen, in die sich manche quetschen müssen. Schubladen, Leerräume und Abstellkammern der Möglichkeiten.

Der Einzelne sehnt sich zurück. In eine kleinere Gruppe. Oder in die Einsamkeit der freien Individualität ohne Einschränkungen durch andere. Ohne Einschränkungen durch das System. Und wem alles zu eng geworden ist, schreit nach Revolution. Schreit danach das System zu zerstören. …um dann wieder ein neues aufzubauen. Vielleicht ein System, in dem dann nicht er, sondern die anderen eingeengt sind.

Ich glaube nicht an Revolution. Ich glaube an Evolution. An wandelbare Räume.

Wir brauchen Freiräume für Menschen, die keine haben. Freiräume, die bewusst nach einem Zeitraum neu belegt werden, so dass sich keine Verengung einstellen kann. Und jeder eine Chance hat in diese zu gelangen. Freiräume in denen neue Strukturen entstehen, die wachsen, schrumpfen, und andere Tiefen erreichen.

Möglich wären Stadtteilzentren mit Wohnraum. Kümmert sich immer der gleiche Betreuer um die Vernetzung des Stadtteils, wird er einen Weg gehen, und damit nur eine bestimmt Gruppe erreichen. Der Zufall sollte die Besatzung regelmäßig neu belegen. Manche Durchgänge werden schief laufen. Aber das ist nicht relevant. Relevant ist es in einer durchplanten Welt, in der sich jeder eine Schublade suchen muss, einen Freiraum zu geben, der etwas komplett anderes ermöglicht. Wir müssen Burgen aufbauen und abreißen, damit erst Schlößern und nach ihrem Abriß, kleine Berghütten gebaut werden.

Serendipität. Fast alles von Bedeutung ist das Produkt eines glücklichen Zufalls. Und die Chance von neuen Entdeckungen erhöht sich mit dem maximalen Ausgesetztsein und dem bewussten Weiterforschen. Forschen ist eine Form des Spielens. Und spielen können wir alle. Entdecken also auch. Dazu müssen wir keine ausgezeichneten Künstler oder Wissenschaftler sein.

Erste Unternehmen nutzen eine 4-Tage Woche + 1 Tag Zufallsarbeit. Der 5. Tag steht den Mitarbeitern frei für Arbeit, die sie machen möchten. “Wenn sie unser Produkt nicht weiterentwickeln, dann scheint es nicht interessant zu sein. Und wenn es das schon nicht für unsere Mitarbeiter ist, wie ist es dann für den Kunden?”

Jeder von uns kann offene Räume gestalten (wenn er dazu die Mittel hat).  Jeder kann Initiativen, Unternehmen oder Veranstaltungen aufbauen, die neue Freiräume schaffen und damit neue Möglichkeiten.

Wir brauchen unsere Systeme, und unsere stabilen Strukturen als Basis. Aber auch immer einen strukturfreien Raum für Neues. Dieser Raum kann sich als Zeitraum oder als Ort darstellen. Wir brauchen einen Raum wie den Zaubererhut. Auf eine gewisse Größe beschränkt, aber in ihm sind durch Wandlung alle Wunder möglich.

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