Ein Stück zwischen Himmel und Hölle

Golden flimmert der Sonnenuntergang über die Dächer der Stadt. Es ist Spätsommer. Entlang der S-Bahn Station fliegen die Tauben gen Himmel. Die Eine vor dem weißen Dach fliegt auf und ab. Sie fliegt auf. Und hängt. Sie fliegt auf. Und ist erhängt. Mit schönem Flügelschlag segelt sie der Sonne im wärmenden Licht entgegen. Und endet grausam am Strick. Ich stehe hier, und kann nichts tun. So ist das Leben. Und der Tod.

Veröffentlicht unter Allgemein, Gesehen | Hinterlasse einen Kommentar

Die Schönheit der Idee

Aus dem dunkelsten Nichts des Unbewussten entsteht sie. Wir können ihr Auftauchen nicht verfolgen, nicht verstehen, welche Impulse uns zu ihr geführt haben. Aber wir sehen ihre vollkommene Schönheit mit unseren Augen. Behutsam versuchen wir sie zu greifen, und in unsere Welt zu holen, und dabei ihre Schönheit zu erhalten.

Aber in der realen Welt, gibt es mehr Welten als unsere. Mehr Meinungen als unsere. Und nur eingeschränkte Freiräume. Und während die Idee in unserer Phantasie noch Flügel hatte, muss sie auf der Erde erst das Laufen lernen. Sie muss sich einordnen in die bestehenden Mauern und Gänge, die aus der Gemeinschaft von vielen entstehen.

Und so bleibt manch einer von uns lieber ein Künstler, der bewusst nur der Idee und ihrer Schönheit nacheifert. Und ein anderer bleibt lieber sachlich inmitten der Welt, ohne Schmetterlinge die an der Realität zerbrechen können. Und einige erschaffen mit viel harter Arbeit und Geschick ein Stück neue Welt, in der Neues möglich wird.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Nirgendwo

Wir reisen durch die Nacht. Dunkelheit umgibt uns. Und wir fahren. Oder auch nicht. Hinter den Fenstern nichts als Schwarz. Nichts. Wir sind nirgendwo. Bewegen wir uns? Unsere Welt beschränkt sich auf das Bahnabteil. Hinter der Außenhülle – unbekannte Leere.

Veröffentlicht unter Fremdgefahren | Hinterlasse einen Kommentar

Gegenlicht aus der Ecke

Seelig in den Augen lächelnd, sitzt dort der alte Mann. Und löst sein Kreuzworträtsel. Eins hoch, vier runter. Dummdidumm. Aus seiner Ecke strahlt Ruhe in alle Richtungen aus. Sein Glück leuchtet in den Winterabend und balanciert die Missstimmung der anderen aus. Ich denke “Danke”. Er und wir im Aequilibrium.

Veröffentlicht unter Gesehen | Hinterlasse einen Kommentar

-3 Minuten

Gelangweilt warten wir. Auf die Bahn. Ein Wunder? Was auch immer. Die Anzeige zeigt: noch 8 Minuten. Die Anzeige springt: Noch 6 Minuten. Wohin ist sie, die Minute? Und wohin führt der nächste Sprung?

Veröffentlicht unter Gesehen | Hinterlasse einen Kommentar

Das Brechen der leisen Barrieren

Es ist Silvesternacht. Und ich mache mich auf den Weg ins Getümmel. Von einer in die nächste Gruppe. Als wir die Bahn stürmen, setzt sich ein anderes einzelnes Mädchen zu mir. Und noch eins. Und ein Kerl. Und auch auf die Zweiergruppe kommen Einzelgänger. Nacheinander holen Sie ihre weißen Kopfhörer heraus und starren still monoton hinaus. Um uns herum feiert die Menge. Und ich sitze isoliert im Vakuum. Keine Kontaktaufnahme erwünscht. In unseren leeren Raum des Schweigens brechen die Laute aus allen Seiten. Aber wir bleiben regungslos. Als würde man aus der Zeitlupe in den Zeitraffer blicken. Als sich die ersten Individuen lösen, springen Teile des Partyhers in die Lücken. Der Raum ist gebrochen und wir sind wieder dabei.

Veröffentlicht unter Gesehen | Hinterlasse einen Kommentar

Gott würfelt nicht

Stein auf Stein. Haus an Haus. Ich bin wieder zurück. Im Kastenbausystem. In den Wohnungen sitzen wir brav mit unseren verschiedenen Frisuren. Und doch alle gleich. Im Legobausatz Metropole.

ratt ratt ratt… rauschen die Fenster vorbei. Gleiche Größe. Gleicher Abstand. Konform maskierte Einheiten säumen den Weg. Und täuschen darüber hinweg, dass sich hinter jedem Fenster ein neuer Kosmos befindet.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Über das Wissen und den Lebenssinn

Jeder von uns nimmt wenige Impulse auf und gibt sie weiter. Mal verändert, kombiniert oder negiert. So ergibt sich unser Wissen. Wir suchen nach neuen Impulsen, die unsere entstehende Persönlichkeit bestätigen und weiterentwickeln. Am Besten über angesehene Quellen, die unseren Ideen, und damit uns, mehr Ansehen geben. Aber liegt die Wahrheit, die wir suchen, in weiß nicht in der Überlagerung aller Impulse, die wir in unserer geringen Größe nie bewusst erfassen können? Und so verengen wir uns auf kleine Spezialgebiete.

Ich weiß, dass ich nichts weiß. (Sokrates)

Hattet ihr schonmal eine Erleuchtung? Ein Moment in dem die Zeit stehen bleibt, ihr überall und nirgendwo und Teil des Ganzen seid. In dem ihr alle Zusammenhänge für ein paar Sekunden versteht und alles einen Sinn ergibt. Der glücklichste Augenblick in weiß. …Wenn ein (bisher unentdeckter) Stoff einen Glücksprozess auslöst? Und wir daraufhin Großes von uns und der (zufälligen) Idee denken, während die Welt im berechneten Chaos funktioniert. Es ist wichtig für uns auch in der Isolation etwas relevantes zu erschaffen. Denn wenn wir der Welt nichts geben können ist es irrelevant, ob es uns gibt oder nicht.

Wer keinen Sinn im Leben sieht, ist nicht nur unglücklich, sondern kaum lebensfähig. (Albert Einstein)

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Vielfalt

Draußen ist es kalt. Hier drinnen auch. Draußen ist es dunkel. Der Sitz gegenüber ist leer. Sein Muster bildet sich aus blauen Flächen, Linien die sich zu Dreiecken formen und ein paar weißen Punkten. Es ist ein wirres Durcheinander aus Strukturen. Zu viele Details, die den Überblick verlieren lassen. Und so fällt der Dreck in der Vielfalt nicht auf. Schandflecken sind nicht leicht zu entdecken. Mit einer übersichtlichen Struktur wäre alles erkennbar. Aber wer möchte sich in ein eng gewebtes Hierarchienetz einordnen?

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Wechselblick

Zwischen Ansichten können wir wählen. Spiegelungen auf verschiedenen Ebenen gestalten das Fenster. Ich sehe die Lichter direkt vor mir hinter der Scheibe. In der Scheibe gespiegelt in der Nähe. Und in der Ferne. Unsere Kurve geht nach links, ihre Kurve nach rechts. Und so spalten sich die Perspektiven und ich gehe zwischen den Welten verloren. Oder entscheide mich für einen Blick. Für den Gewohnten? Den Richtigen? Einen Zufall?

Veröffentlicht unter Gesehen | Hinterlasse einen Kommentar